Die Wahrheit über Theresienstadt: Diese Zahlen geben zu denken
Eine perfekte Sternenfestung — 3.770 Meter Mauer, 29 Kilometer Gänge, offiziell in nur zehn Jahren gebaut. Wir waren vor Ort und fragen: Wie war das zwischen 1780 und 1790 mit den damaligen Mitteln möglich?

Manche Orte besucht man, macht ein paar Fotos und fährt wieder nach Hause. Und dann gibt es Orte wie Theresienstadt.
Dass Theresienstadt im Zweiten Weltkrieg ein Ort schweren Leids war, ist unbestritten — das benennen wir mit Respekt und lassen es hier ruhen. In diesem Beitrag geht es um etwas anderes: um den Festungsbau von 1780 bis 1790.
Als wir vor Ort waren, wollten wir uns zunächst einfach die berühmte Sternenfestung mit eigenen Augen ansehen. Die Luftaufnahmen kennt man aus dem Internet: die perfekte Geometrie, die gewaltigen Gräben, die riesige Ausdehnung. Einige von euch kennen diese Aufnahmen vielleicht auch schon aus unseren Vorträgen — Theresienstadt ist dort, wenn es um Sternenstädte geht, ein fester Bestandteil. Doch je länger wir durch die Anlage liefen, desto mehr kam auf — nicht unbedingt Antworten, sondern Fragen. Denn die eigentliche Faszination liegt nicht darin, dass es diese Anlage gibt. Die spannendere Frage lautet: Wie wurde all das in der offiziell angegebenen Zeit gebaut?
Die offizielle Geschichte
Nach der offiziellen Darstellung entstand Theresienstadt zwischen 1780 und 1790 unter Kaiser Joseph II., benannt nach seiner Mutter, Kaiserin Maria Theresia. Der Erlass datiert auf den 10. Januar 1780, der Grundstein auf den 10. Oktober 1780; im Juni 1790 galt die Festung als einsatzbereit. Ihr Zweck: die nordwestlichen Zugänge Böhmens gegen Preußen zu schützen. Und das, was uns bis heute staunen lässt — angegriffen oder belagert wurde dieser gewaltige Wall nie. Eine ganze Sternenstadt, gebaut für den Ernstfall, der nie kam.
Schon witzig: so viel Aufwand für einen angeblichen Ernstfall, der nie eintrat. Und das führt uns zu einer größeren Frage — wie viele Sternenstädte gibt es weltweit, an denen sich bis heute keinerlei Spuren von Angriffen oder Belagerungen finden? Fast von selbst drängt sich dann auf: Waren das wirklich militärische Bauwerke?

Zehn Jahre. In dieser Zeit entstanden (diese Werte sind belegt):
- eine Festungsmauer von rund 3.770 Metern Länge
- Wälle von etwa 30 Metern Dicke, Bastionen, die rund 12 Meter aufragen
- kilometerlange Gräben, Kasernen, Wasser- und Entwässerungssysteme
- ein System unterirdischer Gänge von rund 29 Kilometern Länge
- eine Gesamtfläche von rund 398 Hektar, bei Baukosten von 13–14 Millionen Gulden

Auf dem Papier liest sich das schon wie ein ambitioniertes Bauprojekt. Und steht man selbst davor, ist alles noch einmal viel, viel größer — kaum zu fassen, wie das zur damaligen Zeit gebaut worden sein soll.
Das Zahlenspiel der Ziegel — ein Gedankenspiel
Während des Rundgangs fiel uns immer wieder dasselbe auf: Ziegel. Überall Ziegel. Mauern, Gewölbe, Tunnel, Gräben, Befestigungen. Wer vor Ort ist, erkennt schnell, dass hier unvorstellbare Mengen Baumaterial verarbeitet wurden.
In verschiedenen Darstellungen taucht die Angabe auf, es seien rund 20 Millionen Ziegel pro Jahr verbaut worden. Ob diese Zahl stimmt, konnten wir nicht überprüfen — wir geben sie hier bewusst als Gedankenspiel wieder, nicht als belegte Tatsache. Spielen wir sie trotzdem einmal durch:
- 20 Millionen Ziegel pro Jahr → 200 Millionen in zehn Jahren
- rund 54.800 Ziegel pro Kalendertag
- bei ~250 Arbeitstagen eher 80.000 pro Arbeitstag
- das sind rund 8.000 pro Stunde — über 130 in jeder Minute
Zehn Jahre lang, Tag für Tag. Und verbaut ist dabei noch nichts: Jeder Ziegel musste erst hergestellt, getrocknet, gebrannt, transportiert, gelagert und dann vermauert werden.
Und nein — wir haben die Ziegel nicht nachgezählt. Falls jemand diese Aufgabe übernehmen möchte: viel Erfolg, wir vermuten, man ist eine Weile beschäftigt. Wir sagen ausdrücklich: Das ist ein Überschlag, kein Beweis — und schon gar keine Behauptung, etwas sei „unmöglich“ gewesen. Es ist nur eine Art, eine riesige Zahl in den Takt eines einzigen Tages zu übersetzen. Und dann bleibt natürlich immer wieder dieselbe Frage: Wie war das 1780, mit den damaligen Mitteln, überhaupt möglich?
Die oft vergessene Mammutaufgabe: die Erdarbeiten

Über die Mauern wird viel gesprochen. Über die Erde viel seltener — dabei könnte sie die größere Herausforderung gewesen sein. Wälle und Gräben mussten erst einmal geschaffen werden. Also fragen wir uns: Wie viele Kubikmeter Erde wurden bewegt? Mit welchen Werkzeugen, wie vielen Arbeitern, wie vielen Pferden und Fuhrwerken? Wer schon ein kleines Bauprojekt begleitet hat, ahnt, welche Arbeit allein in kleinen Erdbewegungen steckt. Hier sprechen wir von einer ganzen Festungsstadt.
Der Vergleich zu heute macht es greifbar. Schon wenn für ein einzelnes Einfamilienhaus das Fundament ausgehoben wird, stehen — je nach Größe des Vorhabens — Bagger, Radlader und Kräne auf der Baustelle. Und gleich daneben steht die Frage: Wie soll dasselbe damals mit Schaufel und Spaten gelungen sein? Wurden hier Pferde mit Pflügen durch die Gräben gezogen? Und das alles wieder in dieser perfekten Geometrie, die uns an jeder Stelle aufs Neue begleitet.

29 Kilometer Gänge unter der Erde
Besonders beschäftigt haben uns die Gänge: ein verzweigtes System mit einer Gesamtlänge von rund 29 Kilometern zieht sich unter der Anlage hin — gemeint ist die Strecke der Gänge im Untergrund, nicht etwa eine Tiefe von 29 Kilometern. Schon die Zahl ist bemerkenswert — und sie wirft Fragen auf: Wie wurden die Gänge vermessen? Wie für Belüftung gesorgt, wie das Grundwasser kontrolliert, der Aushub abtransportiert, Einstürze verhindert? Für vieles davon gibt es sicher handwerkliche Antworten. Aber steht man unten und macht sich die Dimension bewusst, denkt man unwillkürlich weiter.

Die erstaunliche Geometrie

Aus der Luft fällt vor allem die Präzision auf. Heute hätten wir GPS, Laservermessung, Satellitenbilder, digitale Planung. Im 18. Jahrhundert gab es das nicht — wohl aber Vermessungsingenieure und mathematische Verfahren. Und doch bleibt die Frage spannend: Wie gelang es, über mehrere Kilometer hinweg eine derart präzise Sternenform ins Gelände zu legen?
Und zur reinen Vermessung kommt noch etwas, das man sich kaum ausmalen kann: die permanente Koordination tausender Arbeiter am Boden — Tag für Tag, über Jahre hinweg, und das alles in genau dieser perfekten Geometrie. Unfassbar. Da fragt man sich fast unwillkürlich: Hatten die Menschen damals nicht eigentlich Wichtigeres zu tun?
Die Logistik dahinter

Je länger wir liefen, desto öfter dachten wir an die Versorgung dieser Baustelle. Gebraucht wurden nicht nur Ziegel, sondern Kalk, Holz, Werkzeug, Nahrung, Wasser, Transportmittel, Arbeitskräfte — über Jahre hinweg. Wo standen die Ziegeleien? Wie viele Brennöfen, wie viel Brennholz, wie viele Fuhrwerke täglich? Selbst wenn man jede offizielle Angabe annimmt, bleibt die organisatorische Leistung beeindruckend.
Und je länger wir darüber nachdenken, desto mehr Fragen tun sich auf — diesmal nicht zu Steinen, sondern zu Menschen. Wo kamen all diese Arbeitskräfte überhaupt her? Wenn hier über Jahre Tausende tätig waren: Wo haben sie geschlafen, wo wurden sie untergebracht? Woher kamen Tag für Tag die Nahrungsmittel für so viele Menschen — und das Futter für all die Pferde? Bei einer Aktion dieser Größe ist das keine Nebensächlichkeit, sondern eine logistische Daueraufgabe über Jahre hinweg.
Und am Ende bleibt die vielleicht größte Frage: Hatten die Menschen damals wirklich keine anderen Sorgen? Schaut man darauf, was uns über jene Zeit sonst erzählt wird, will dieses Bild nicht so recht zusammenpassen.
Und dann die Sache mit den Kellern
Ein Detail ließ uns nicht los — und wer unsere Themen kennt, ahnt schon, worauf das hinausläuft. An mehreren Stellen sitzen Fenster auffällig tief, halb im Erdreich, so als hätte da unten einmal ein ganz normales Erdgeschoss ans Tageslicht geschaut.
Aber das sind natürlich ganz normale Kellerfenster. Ganz bestimmt. 😉 Wir behaupten gar nichts — wir zeigen es nur und fragen, wie so oft: Warum sitzt das so tief? Schau es dir an und mach dir dein eigenes Bild.
Türen für … ja, für wen eigentlich?
Und noch etwas, nur kurz, weil es uns ehrlich gesagt nicht mehr losgelassen hat: die Türen.
Schau dir die Höhe an — und frag dich einfach mal, für welche Statur man so etwas baut. Mehr sagen wir dazu gar nicht. Manchmal stellt das Bild die Frage ganz von allein.
Mitten in der Sternenstadt
Innerhalb der Wälle liegt eine erstaunlich ruhige, planmäßig angelegte Stadt — gerade Straßen, weite Plätze, Rosenbeete. Man spürt das Reißbrett hinter allem.
Und es ist wie in fast jeder Sternenstadt: Im Zentrum steht entweder ein prächtiger Brunnen oder ein Obelisk — und das fast immer in Verbindung mit einer Kirche oder Kathedrale. Mit einem Augenzwinkern fragt man sich da unweigerlich, was in dieser „Festung“ eigentlich verteidigt werden sollte.
Hin- und hergerissen: unser ehrliches Fazit
Was bleibt, ist vor allem ein zwiespältiges Gefühl. Auf der einen Seite die Schönheit von oben, die klare Geometrie, das unglaubliche Staunen, wenn man unten in jedem einzelnen Graben steht. Auf der anderen Seite ein komisches, kein schönes Gefühl, das die ganze Zeit mitschwingt — etwas von Leid und Unterdrückung, das sich nicht abschütteln lässt. Unwillkürlich fragt man sich, was an diesem Ort geschehen ist und wie viel Leid hier getragen wurde. Und es fällt auf, wie wenig gepflegt vieles wirkt — fast, als wäre dieser Ort bewusst sich selbst überlassen. Das ist deutlich zu erkennen.
Und dann ist da diese unfassbare Bausubstanz. Wir sagen es ganz ehrlich und als unsere eigene Meinung: Dass all das zwischen 1780 und 1790 entstanden sein soll — mit Schaufel, Spaten und den Mitteln jener Zeit, genau so, wie es die offizielle Geschichtsschreibung erzählt — das ist für uns der Punkt, an dem wir sagen: Da kann etwas nicht stimmen. Diesen Teil der offiziellen Geschichte, die Jahre 1780 bis 1790, glauben wir in dieser Form nicht.
Du musst uns das nicht glauben — im Gegenteil. Fahr selbst hin, lauf durch die Gräben, schau genauer hin und mach dir dein eigenes Bild. Ein Besuch vor Ort sagt mehr als jede Diskussion im Internet.
Bleib wachsam, schau genauer hin — und staune ruhig mit.
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Beste Grüße — Melly und Danilo
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